Brett oder Nichtbrett, das ist hier die Frage.

(Ein Schauspiel, fast eine Tragödie)

Intention:

Das Stück will aufzeigen, wie Mensch, Gesellschaft und Justiz manipuliert werden können, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen, aber auch, wie leicht ein Unschuldiger unter die Räder geraten kann, selbst in einem „freien“ Land:

Auf der Insel Brettonien hat der Usurpator Bretto I. ein Regime der Gewalt und Willkür errichtet, weshalb viele Inselbewohner fliehen. Damit  jedoch seine Untertanen nicht länger vor seiner Herrschaft davon laufen konnten, ordnete er an, dass sie ein Brett vor dem Kopf zu tragen hatten,  was bewirkte, daß jedermann auf dem Rücken schlafen und zwangsläufig kräftig  schnarchen musste. So konnten auch Flüchtige entdeckt werden, die sich versteckt hatten.

Anfangs wurden die Bretter von Spezialärzten in einem Spezialverfahren an der Stirn angeschraubt. Als jedoch ein Enkel des Usorpators, der ebenfalls ein Brett zu tragen hatte, allerdings ein antikes, in dem ein Holzwurm solchen Lärm machte, dass er darüber fast wahnsinnig wurde, durften die Bretter nunmehr mit einem Kleber aus weichgekautem Kaugummi und Pferdespucke befestigt werden, was als enormer Fortschritt galt. Gegen eine Gebühr durften sogar die Bretter an einem breiten Band befestigt werden und wie eine Mütze getragen und daheim abgenommen werden.

Aus dem simplen Brett machten die cleveren Nachfahren Brettos I. die Weltanschauung des Abelismus: Das Brett ist kein Brett, sondern das Abelzeichen, das nur die Guten, die Nachfahren Abels,  tragen dürfen. Alle Brettonier  gehören nun zu den Guten. Wer dagegen das Zeichen nicht trägt, ist böse und ein Kainling.

Ein Schiffbrüchiger wird auf die Insel verschlagen, als Kainling und  Spion abgestempelt und  vor Gericht gestellt, weil er jedes Brett Brett nennt und somit das  „Parteiabzeichen“ des Abelismus verhöhnt. Die Gerichtsverhandlung ist eine Farce. Der Mann wird zum Tode verurteilt, aber „begnadigt“, im Boot vor Brettonien ausgesetzt zu werden. Wider Erwarten gelangt er ans Ufer eines „freien“ Landes, dessen wichtigster Handelspartner das Regime auf Brettonien ist. Als er ankommt,  wird gerade ein Spezialschiff für den Bretter – und Kaugummitransport nach Brettonien getauft. Der Fremde versucht,  den Verantwortlichen klarzumachen, wozu Bretter und Kaugummi dort  gebraucht würden. Man will ihm nicht glauben, um die Beziehungen zu dem Inselstaat nicht zu trüben und zieht sich auf die wortwörtliche Bedeutung zurück: „Ein Brett vor dem Kopf? Absurd“.

Da der Fremde immer wieder behauptet, alle Brettonier trügen ein Brett vor dem Kopf, bringt er die Verantwortlichen auf dem Festland in große Verlegenheit,  denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Als er  schließlich noch ausruft, auch die Honoratioren auf dem Festland trügen ein Brett vor dem Kopf, weil sie ihn nicht verstehen wollen, ist er reif für die Irrenanstalt.

Ähnlichkeiten des Abelismus  mit anderen Ismen lassen sich beliebig herstellen, nicht nur zum Nationalsozialismus oder Bolschewismus, sogar zu einem „freien“ Land.