1350 Jahre Hallstadt

(Ein Blick in die Vergangenheit von Franz H. Jakubaß)   

Chronist:
Der religiöse Umbruch, ausgehend von Luther, und der fast parallel
verlaufende Aufstand der Bauern vielerorts in Deutschland stachelte die Bauern auch im Reich des Fürstbischofs von Bamberg an, sich zu erheben. Religion und staatliche Macht in einer Hand, das musste zu Streitigkeiten führen, zumal das Volk in dem Bischof weniger das geistliche Oberhaupt, sondern mehr den Landesherrn sah, die Obrigkeit, die ihm das Leben schwer machte.
Am Fronleichnamstag 1524 zogen Bauern aus dem Forchheimer Umland, aus Höchstadt, Herzogenaurach und aus dem Ebermannstädter Grund nach Forchheim, etwa 500 bewaffnete Männer. Sie entwanden dem Bürgermeister die Schlüssel der Tore und forderten ihn auf, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Doch Kasimir von Ansbach holte zum Gegenschlag aus und schlug den Aufruhr nieder.
Trotzdem gärte es weiter.
Am 10. April 1525 beginnt der Aufstand der Bamberger gegen ihren Landesherrn mit  einer Versammlung von Handwerkern im Zinkenwörth.
Nach turbulenten Chaostagen herrschte am Karsamstag wieder Ruhe, weil es dem Rat der Stadt gelungen war, einen Ausschuss von achtzehn Männern zu bilden, der mit dem Bischof verhandelte. Der Fürst willigte unter anderem ein, vorerst den Zehnten auszusetzen. Daraufhin  wurde ein Waffenstillstand beschlossen. Und in Bamberg herrschte österlicher Friede.
Nicht so in Hallstadt .In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach dem Weißen Sonntag, also vom 26. auf den 27. April,  war der Teufel los. Das Volk stand auf der Straße. Von Haus zu Haus waren sie zusammengetrommelt, Männer und Frauen, Halbwüchsige. Es wurde geschossen, einige stürmten den Kirchturm und läuteten Sturm. Die Sakristei wurde aufgebrochen und geplündert. Nachdem die Zölle erhöht waren, wurden die Flößer aufsässig. Weil die Mahlgebühren erhöht worden waren, wahrscheinlich auch, weil die Kunde kam, im Rothenburgischen und in Würzburg seien die Bauern siegreich gewesen,  rotteten sich an die vierzig johlende Bauern zusammen und stürmten das Vogteihaus und die Mainmühle, beide im bischöflichen Besitz.

...

(Am Brunnen die Bäuerinnen Babette und Kuni im Gespräch, später kommt Frau Graw dazu.)

Babette:
Da plagst dich und arbeitest härter als der Ochs vor dem Pflug. Wofür? Damit du die Steuern zahlen kannst: Landsteuer, Türkensteuer und was sich die hohen Herren noch als Steuer einfallen lassen. Immer mehr und immer neue Steuern. Ich kann sie nimmer aufzählen.

Kuni:
Das brauchst auch nicht, Babette, weil die Herren ohnedies eintreiben lassen, was sie sagen, dass es ihnen gehört.

Babette:
Nicht nur Steuern, auch die Zinsen musst zahlen.

Kuni:
Wehe du zahlst nicht oder nicht pünktlich! Dann gibt’s Ärger!

Babette:
Und das Besthaupt! Kuni, du kannst nicht glauben, dass sich die Herrschaften so was haben einfallen lassen: Stirbt er, der hohe Herr, dem du lehnspflichtig bist, dann nimmst deine beste Kuh und treibst sie nauf auf’s Kloster oder Schloss. Und wennst sie wiederhaben willst, darfst deine eigene Kuh kaufen.

Kuni:
Da möchtest meinen, der Herrgott schläft.

Babette:
Schläft? Geh’ zu, Kuni: Beim Fürstbischof ist er zu Gast, droben auf’m Domberg und macht, was der ihm ins  Ohr flüstert.

Kuni:
Mit dem Fürstbischof kannst noch reden, sagt die Kathi, von meiner Schwester die Tochter. Sie schafft in der Küche beim Weihbischof. Aber die Prälaten vom Domkapitel,  sagt sie, die haben so dicke Bäuch’, dass sie nicht drüberschauen und nicht sehen können, dass unter ihnen auch noch Menschen leben.

Babette:
(lacht) Aber mein Vinzenz, der zeigt’s ihnen ....

Kuni:
(leise)....ist er wieder im Wald spazieren gegangen? Du, einen Schlegel vom Reh, weißt, wie zu Michaeli letztes Jahr, den könnten wir wieder brauchen.

Babette:
Ich werd’s dem Vinzenz sagen. Aber mach’ dir in der Zunge einen Knoten, wie’s der Pfarrer macht wegen dem Beichtgeheimnis. Verstehst?

Kuni:
Ich versteh. Eine Schande ist’s: Dem Viehzeug im Wald darfst nichts tun. Nicht einmal die Wildsäu darfst von deinen Acker verscheuchen, wenn sie ihn zerwühlen. Sonst bist der größte Haderlump für die Obern.

Babette:
Da weißt nimmer, wem’s besser geht, dem Vieh oder dem Bauern.

...


Die Hallstadter müssen dem Fürstbischof erneut huldigen.
Chronist:
September 1525, Montag nach Kreuzerhöhung, kam Bischof Weigand nach Hallstadt, um seinen Untertanen von neuem den Treueid abzunehmen. Er war mit großem Gefolge gekommen
Am 18. mussten sich die übriggebliebenen 188 Hallstadter Männer auf dem Marktplatz aufstellen. Dazu die Güßbacher, Kemmerer und Abgeordnete der übrigen Kammerdörfer. Ihnen wurde vorgehalten, wie sie sich gegen ihren Landesfürsten des Aufruhrs , vornehmlich durch verbotene Angriffe und Taten sowie Mordbrennerei schuldig gemacht. Da sie sich jedoch auf Gnad und Ungnad ergeben hätten, sollten sie Verzeihung erhalten und die Strafe erhalten, wie sie allen Untertanen des Hochstiftes auferlegt war: 20% jeglicher Habe und 5% des gesamten  Eigentums im Jahre 1525.
Sie mussten geloben, künftig kein Bündnis gegen den Landesherrn einzugehen, alle Abgaben wie vor dem Aufruhr zu entrichten, keine Wehr und Harnisch zu tragen, zu kaufen oder in der Wohnung zu haben, ferner alle Gegenstände die aus Klöstern, Stiften, Gotteshäusern, Burgen und Schlössern entwendet waren, zurück zu geben.
Das Allerwichtigste jedoch war, dass alle Verantwortlichen des Aufruhrs angezeigt werden mussten und wo dieselben  entlaufen oder entwichen sind, in ewig Zeit in diesem Flecken und Amt Hallstadt nit einkommen lassen sollen.